Die Region um Briançon ist ein hervorragendes Sommerklettergebiet. Während in der sommerlichen Provence meist nur Urlauber sich die Finger lang ziehen, sind die Franzosen u.a. im Briançonnais zu Gange. Kein Zufall, dass in Briançon alljährlich Kletterwettkämpfe mit nationaler und internationaler Beteiligung statt finden. Die Gebiete unterscheiden sich erheblich in Charakter, Ausrichtung und Gesteinsart. Neben überwiegend Kalk und Dolomitgestein ist Quarzit und Granit anzutreffen. Sowohl Einseillängen-Routen als auch Mehrseillängen-Routen sind in reicher Auswahl vorhanden. Absolut empfehlenswert ist der vor Ort erhältliche Kletterführer „Escalade en Briançonnais Haut Val Durance Queyras”. Die zehn hier vorgestellten Kletterziele sind nur eine kleine Auswahl. Allein das Vallee Clarée und das Vallee Étroite schlagen mit insgesamt 12 Klettergebieten zu Buche, das Vallee de la Guisane mit weiteren vier, weitere neun direkt um Briançon und das Vallouise mit weiteren acht Klettergebieten, darunter Ailefroide und Entraygues. „San Ku kaï” (9a) in Entraygues ist die schwerste Route der Region (Stand 2010).

Eine Auswahl

Le rocher qui répond

Mit einem Zugang von 1 - 2 min. Dauer ist dieses Kletterziel, bestehend aus Kalk/Dolomit, sehr straßennah. Durch den Waldstreifen zwischen der schwach befahrenen Straße und Fels stört praktisch kein Verkehrslärm. Die drei Sektoren sind südwestlich ausgerichtet, so daß man am Morgen/Vormittag im Schatten unterwegs ist. Secteur 1 „initiation” bietet 9 kurze nette Wege im Bereich 4b - 6a. Man kann alle Wege von rechts (4b) nach links (6a) bei knapp 15 m Wandhöhe bequem an einem Vormittag klettern. Einzig die „Tout en haut” ganz links fällt etwas ab: nur ein komischer Zug ganz oben. Als die beiden schönsten Wege empfanden wir „Le contrat” (6a) und „Ici comme aileurs” (5c). Secteur 2 „Shana” bietet 17 Wege bis 30 m ab 5c, Schwerpunkt 6c - 7b+, und ist damit etwas für leistungsstärkere Kletterinnen und Kletterer, Absicherung sportif. Secteur 3 „Suzy” bietet mit 20 Wegen bis 20 m die größte Auswahl, welche bei 3c beginnt und bei 6b endet. Ganz rechts befinden sich mit „Rocky I/II/III” drei sehr gute Anfängerwege. Trotz leichter Patina haben wir die Wege in diesem Sektor in sehr guter Erinnerung, Absicherung sportif/initiation.

Kletterführer Briançonnais

Paroi des Militaires, secteur Albatros

Eine lohnende Kalk/Dolomit-Wand im Vallee Étroite mit superkurzem ebenen Zugang (30 sec), den das Fahrzeug „verdienen” muß: das letzte Stück ist eine Naturstraße. Im secteur „Albatros” gibt es insgesamt 35 Wege von 3b bis 8a, viele davon Einseillängentouren, im Bereich 4 - 5 allein 14 Einseillängen-Touren bzw. erste Sl. Die meisten Wege sind saniert, Absicherung sportif. Die leichteste Mehrseillängentour ist die „Spigolo Fornelli” (4b, 4c, 3c, 5a, 5c, 4a). Die namengebende „Albatros” (6a, 6a, 6b+, 6b, 6c+, 5c, 7a, 6b, 6b, 300 m Wandhöhe) ist mit 9 Sl die längste Tour. Die ersten beiden Sl (1. Sl unter 30 m, 2. Sl ca. 35 m) haben eingerichtete Abseilstellen bzw. Umlenkungen. Die Wand ist nach Norden ausgerichtet, sehr angenehm bei Sommerwetter, aber windexponiert bei Nordwind. An der Madone gibt es mit der „Tour Germaine” eine südexponierte Route mit 10 Sl (bis 5a, überwiegend 4c), die für ca. 45 min Zustieg zu haben ist (Parken an der Schäferei, über Brücke, rechtshaltend hoch). Am Croz del rifugio gibt es weitere Mehrseillängentouren, die den etwas stärkeren Mädels und Jungs vorbehalten sind, Bereich 6a+ - 7a+ (Parken an der Schäferei, über Brücke, linkshaltend Serpentinen hoch, ca. 15 min).

Rocher Baron

Der Rocher Baron fordert vom véhicule vollen Einsatz auf der Naturstraße, bis dasselbe in einer Entfernung von ca. 30 sec. von secteur 3 seinen Parkplatz findet. Der Rocher Baron dürfte der lohnendste Quarzitfelsen weit und breit sein. Secteur 1 „Face Ouest” (Westwand) glänzt mit 21 Wegen um die 20 m lang im Bereich 6a - 6c, etwa 8 min vom Parkplatz entfernt. Im Secteur 2 „Quand on a l'amour” (Südwand) geht es schon teilweise hart zur Sache mit 12 Wegen um die 20 m im Bereich 6a - 7c. Secteur 3 „La sieste au soleil” (Südwand) bietet mit 30 Wegen größtenteils um die 20 m, teilweise bis 35 m, die meisten Klettermeter. Es gibt eine Zwei-Seillängen-Tour „La grande fissure” (4c/5a) und ansonsten viele Möglichkeiten von 4a - 6c. Die Wand trocknet rasch ab und ist dem Nordwind nicht ausgesetzt. Die Absicherung am Rocher Baron ist sportif.

Les traverses et la vignette

Dieses Kletterziel liegt im Bereich des Vallouise und ist fahrzeitmäßig kaum weiter als der Rocher Baron von Briançon entfernt. Die sieben Sektoren dürften mit Schwierigkeiten von 3b bis 8b+ so ziemlich jedem etwas bieten. Die Zugangszeiten bewegen sich zwischen drei und zehn Minuten. Die Sektoren 1 - 3 sind überwiegend südlich/südwestseitig ausgerichtet. Im secteur 1 „Les nains” finden sich sieben Wege im Bereich 3b - 5b, um die 15 m lang. Etwas kürzer fällt der Zustieg zum secteur 2 „Initiation” aus, der 18 Wege ab 4b bis 6c bietet. Die Felsstruktur im rechten Bereich des Sektors ist einmalig. Der secteur 3 „Jonathan” glänzt mit 21 Wegen von bis zu 35 m Länge überwiegend im oberen 6. und 7. Grad. Die schwerste Tour ist „Le Goêland” (8a). Unterhalb der Straße befindet sich der secteur 4 „Lézaroïde”, der bei Weglängen um die 20 m 22 Wege bietet, davon allein sieben im Bereich 5b/5c (südseitig), die übrigen 6b - 7a (südwestseitig und nordostseitig). Der secteur 5, ebenfalls „Initiation”, bietet lediglich eine 4c und drei 5c. Viel lohnender ist dagegen für starke Kletterer secteur 6 „Tutti-frutti” mit 14 Wegen in einer 30-m-Südwestwand ab 5c, überwiegend im 7. Grad. Der nach Süden ausgerichtete secteur 7 „Simplet” glänzt neben 3 min. Zugangszeit mit der schwersten Route der sieben Sektoren: „L'omelette héroïque” (8b+).

Rocher Maubert

Unser Ausflug zum Rocher Maubert im Vallee de la Guisane fiel buchstäblich in's Wasser. Während in Briançon noch trockenes Wetter herrschte, zog es sich bereits ab dem Morgen im Bereich der Cercen zu. Etwa 1 km vor dem Rocher Maubert gab es die ersten Tropfen, gegen den dunklen Himmel sah man die Silhouette eines Kletterers, der im 5-sec-Takt vergeblich Dynamos abfeuerte, um doch noch durch eine Route durchzukommen. Bis wir in der Parke standen, regnete es richtig, Tendenz zunehmend. Die Fakten: sechs Sektoren, Ausrichtung Südwest, insgesamt 85 Wege 20 - 35 m lang, Schwierigkeiten von 4b bis 8a. Wermutstropfen: sehr (zu) straßennah, so dass der Lärm auf der vielbefahrenen RN91 vor allem in den unteren Sektoren störend ist.

Le Pantalon

Kleines Übungsklettergebiet bei Monêtier les Bains, Quarzitfels, sehr angenehm, 16 Wege von 3b bis 6c, überwiegend im 3. und 4. Grad, fünf Zwei-Seillängen-Wege, einer 3b, zwei 4c, je einer 5a und 5c.

Les Ayes

Die Naturstraße zu den Chalets des Ayes führt direkt an diesem Kletterziel vorbei, über die kleine Brücke gehen, und schon steht man unter secteur 1 „L'eau vive” mit 23 Wegen von 5c bis 7b+, Schwerpunkt 6c und 7. Weiter rechts oben in secteur 2 „L'oiseau lyre” sind neun Wege überwiegend 6b und 6c zu finden. Noch weiter oben dann im secteur 3 „Grand corps malade” nochmals neun Wege, davon vier mal 5, vier mal 6a und eine 6b. Alle drei Sektoren sind südwestlich ausgerichtet und bieten bis zu 30 m lange Wege in bestem Kalk/Dolomitgestein. Für 7er-Fetischisten gibt es noch etwas tiefer gelegen den secteur 4 „Pied sec” mit sieben mal 7 (b-c+) und einer 6c+ (?zum Einklettern?).

Laus de Cervières

Das für ca. fünf Gehminuten zu habende Kletterziel aus ostseitig ausgerichtetem Quarzit hat 23 Wege bis zu 20 m lang zu bieten, davon 13 im vierten Franzosengrad. Für die Starken gibt's hier nichts zu holen. Es gibt nur einen Einzelzug 6a.

Rocher Gafouille

Mit „Marche ou grimpe” 2b besitzt dieser Fels den leichtesten Weg weit und breit. Aber dem zum Trotz gibt es für Einsteiger weit lohnendere Ziele als diesen Fels. Bei 36 Wegen verteilt auf drei Sektoren spielt sich das meiste im Bereich 6 - 7 ab und die leichteren Wege weisen unübersehbare Begehungsspuren auf. Für die Starken gibt es hier auch eine 8a. Überwiegend ist dieser Fels nach Norden ausgerichtet.

Randouillet

Eins der Feierabendklettergebiete von Briançon mit 65 Wegen von 4a - 7c+. Vor allem die leichten Wege bieten das, was die Franzosen als „glissante” oder „patiné” bezeichnen. Dem haben wir nichts hinzu zufügen.

„Mamy brushing” (6a) im secteur „Suzy” des rocher qui répond
Das Seil hängt in „Mamy brushing” (6a) im secteur „Suzy” des rocher qui répond. Obwohl Mutti bei'm Putzen ist, ist zumindest unten bereits wieder etwas Grünzeug nachgewachsen.
secteur 1 „initiation” am rocher qui répond
Der secteur 1 „initiation” am rocher qui répond, reich strukturierter Fels.
secteur Albatros beherbergt „Valchirie” (4a) und „Primi passi” (5b)
Der kleine Pfeiler am Paroi des Militaires, secteur Albatros beherbergt „Valchirie” (4a) und „Primi passi” (5b).
„Albatros” am Paroi des Militaires, secteur Albatros
Himmelsleiter: der Beginn der „Albatros” am Paroi des Militaires, secteur Albatros
Paroi des Militaires, secteur Albatros
Paroi des Militaires, secteur Albatros, der Boden unter der Wand ist eben. Die nicht vorhandenen Schuttreisen unter der Wand sprechen eine klare Sprache über die Felsqualität. Während wir dort waren kam nicht der kleinste Krümel aus der Wand. Trotzdem ist es nicht die dümmste Idee, hier bei'm Klettern einen Helm zu tragen.
Rocher Baron, secteur 3 „La sieste au soleil”
Rocher Baron, secteur 3 „La sieste au soleil”, nordwindgeschützt, sonnig, schnell abtrocknend.
Les traverses et la vignette, secteur 2 „Initiation”
Les traverses et la vignette, secteur 2 „Initiation”, viel Betrieb zu dem Zeitpunkt.
Les traverses et la vignette, secteur 3 „Jonathan”
Les traverses et la vignette, secteur 3 „Jonathan”, in den Wegen überwiegend im oberen 6. und 7. Grad ist bedeutend weniger los.

(2010)

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