Der Roche Noir allgemein

Bei einer Besteigung der Pointe de la Saume am 2.8. im Sommer 2015 bewunderte ich eine schroffe Felsgestalt, die weit östlich der Pics de la Font Sancte in dem Kamm, der den Parc naturel régional du Queyras südlich begrenzt, alles andere in ihrer Umgebung überragt und an Masse übertrifft. Die Recherche ergab, dass diese Felsgestalt der Péouvou, 3232 m, ist. Die Aufstiegschancen für mich auf diesen Berg ohne Seil stehen bei 0. In der Westwand gibt es zwei Routen 5b/c und 5b/5aA0. Mein Blick fiel dann auf den Roche Noir. In „50 sommets sans corde dans les Hautes-Alpes” von Pierre Maes fand ich eine Beschreibung, die sich sehr interessant las, ein Berg aus Marmor, überwiegend schwarz, dabei verschiedene Gesteinsfarben, meist scharz, braun, rosa und grün, Kletterei im Bereich PD, also ca. 2-3. Eine kurze Internetrecherche ergab einen zu erwartenden Schwierigkeitsbereich 2-3b. Damit paßte alles.

Besteigung des Roche Noir und des P2937

Wie bei mir üblich startete ich vor Sonnenaufgang. Geparkt wurde im Vallée du Cristillan vor der Brücke am Beginn des Fahrverbots der Naturstrasse zur Cabane de la Lavine bzw. l’Étable des Génisses, erreichbar von Ceillac. Dieser Naturstraße folgte ich bis zur Cabane, in deren Nähe der gute Weg zum Lac de Clausis beginnt, welcher einer der am schönsten gelegenen Seen in der Gegend ist. Diesem Weg folgt man größtenteils mit ordentlicher Steigung bis zum See. Vom See führt ein Weg weiter über ausgedehnte Wiesen Richtung Col de Clausis. Man verlässt diesen Weg, um sich immer links im Wiesenboden zu halten bis man in östlicher Richtung in das Ravin de Clausis einbiegen kann. Im Ravin de Clausis führt eine Wegspur meist knapp über der Talsohle am linken Hang (orographisch rechts) auf der Seite des P2937 talaufwärts. Wenn man am Ansatz des Ostgrates des P2937 anlangt, öffnet sich innerhalb weniger Schritte links der Blick auf das oberste Vallée du Cristillan. Der Roche Noir zeigt dort seine Westabbrüche mit einer tiefschwarzen Zone rechts unterhalb des Gipfels. Rechts oben im Gratverlauf zwischen dem Péouvou und dem Roche Noir zeichnet sich bei genauem Hinschauen das Schild auf dem Col des Ugousses gegen den Himmel ab. Mit dem Aufstieg zum Col beginnen die Mühen. Einfach aus dem Bauchgefühl heraus stieg ich quasi diagonal Richtung SO durch das riesige Schuttfeld zum Col des Ugousses. Auf dem Col wird der Blick nach Süden frei und man schaut genau auf den Tête de Malacoste, 3216 m. Weiter geht es in östlicher Richtung südlich des Gratverlaufs, um so weiter oben, umso schwieriger, um so weiter unten, umso mehr Gegenanstieg handelt man sich ein. Am besten quert man mit leichtem Höhengewinn, wobei die kleinen Felsrippen mit 1er-Kletterei aufwarten. Man erreicht dann einen flachen Boden südlich des Gipfelaufbaus des Roche Noir, welcher zeitweise wahrscheinlich einen flachen Schmelzwassersee beherbergt. Am einfachsten ist der Gipfel wahrscheinlich über den SSO-Grat zu erreichen. Pierre Maes empfielt, bei rosa bzw. malvenfarbenen Marmor in den Grat einzusteigen. Die Kletterei erwies sich als Abfolge mehrerer Buckel, die zu erklettern waren, um dann in steilem Gehgelände den Gipfel zu erreichen. Der Fels ist reich strukturiert, aber sehr spröde. Feine Risse sollte man ernst nehmen. Wenn etwas wegbröselt, können darunter nadelspitze scharfe Kristalle zum Vorschein kommen. Beim Klettern achtete ich darauf, daß die eigene Fallinie nicht in Richtung der senkrechten Ostwand führt. Ein Sturz aus welchem Grund auch immer wäre sonst final gewesen. Der Abstieg erfolgte auf gleichem Weg bis zum Col des Ugousses. Von dort folgte ich den Trittspuren in Fallinie nordwärts über ein nachgiebiges erdiges Schuttgemisch, bis man gemütlich Richtung W gehen kann. Dabei fällt der Blick auf den grasigen Ostgrat des P2937. Mich zog es da spontan hoch. Der Anstieg ist leicht, wenig anstrengend. Die Aussicht vom P2937 auf die Nordseite des Péouvou ist einmalig. Den Lac de Clausis erblickt man tief unter sich. Auf dem weiteren Rückweg durch das Ravin de Clausis kam mir eine kleine Gruppe französischer Wanderer entgegen. Es würde mich nicht wundern, wenn deren Ziel der P2937 gewesen ist. Neben der Aussicht gibt es dort viel Edelweis zu bewundern.

Fazit

Mit 1100 Hm ist der aussichtsreiche Roche Noir für einen vergleichsweise geringen Höhenunterschied zu haben. Damit die Besteigung richtig Spaß macht, sollte man kein Anfänger beim Klettern und auch nicht im Begehen von Schutt sein. Sonst wird es unter Umständen recht anstrengend. Die Kletterei spielt sich quasi boulderartig ab, um so direkter am Grat, um so 3b. Wer statt dessen immer wieder nach links (im Aufstiegssinn) ausweicht, wird nur wenige Stellen 2 klettern müssen. Wer zur Ostwand genügend Abstand hält, verpaßt den tollen Tiefblick, wird sich andererseits auch nicht so leicht umbringen bei einem Fehler. Es gilt wie immer bei seilfreiem Klettern: Wenn Angstgefühle aufkommen, weiche Knie, Selbstzweifel etc. NICHT EINSTEIGEN. Die Hochfläche südlich des Gipfelaufbaues liegt laut topographischer Karte (IGN n°3637 OT) knapp oberhalb der 3000-m-Grenze und ist auch ohne Gipfel einen Besuch wert. Absolut lohnend ist die Besteigung des P2937 über seinen grasigen Ostgrat in angenehmer Steigung, auch als selbständige Tour. Wäre der P2937 in anderen Gebirgsgruppen der Alpen, hätte er einen Namen (z.B. „Balcon de Clausis”) und mindestens zwei Wege. So ist er für sich genommen eine empfehlenswerte Tour für den Einstieg ins Begehen von weglosem Gelände, praktisch #schuttfrei, knapp 900 Hm an Mühen und wer es etwas steiler mag, steigt über Graspleisen nach Süden ab, natürlich nur bei trockenen Verhältnissen. An trockenen Verhältnissen herrscht im Hochsommer kein Mangel. Wer das Vallée du Cristillan besucht, kann anschließend auf jeden Fall etwas mit dem Begriff „inneralpines Trockental” anfangen. Wer Roche Noir und P2937 besucht, hat etwa 1200 Hm zu bewältigen.

Erste Sonnenstrahlen, Crête de la Blavette, links die Crête des Chambrettes
Erste Sonnenstrahlen rechts oben an der Crête de la Blavette, noch im Schatten links die Crête des Chambrettes, ein schönes Ziel zwischen dem Col Fromage und dem Col de Bramousse.
der Mond schaut zu, Tête du Rissace
Und der Mond schaut zu, Le Longet, 2965 m, auch als Tête du Rissace bezeichnet.
Ravin de Clausis, Péouvou, Roche Noir
Beim Einbiegen in das Ravin de Clausis, der Péouvou, 3232 m, ganz links hinten der Roche Noir, 3134 m.
Roche Noir
Die Sonne lugt über den Nordgrat des Roche Noir.
Col des Ugousses
Rechts oben zeichnet sich das Schild auf dem Col des Ugousses gegen den Himmel ab.
Ostseite des Péouvou
Und der Mond schaut (rechts oben im Bild) immer noch zu. Die Ostseite des Péouvou, gesehen vom Col des Ugousses.
SSO-Grat des Roche Noir
Rechts ist der Einstieg in den SSO-Grat des Roche Noir. Das Gelände ist erheblich steiler als es das Bild vermuten läßt.
Gipfelsteinmann auf dem Roche Noir, Pic du Grand Rochebrune, Pointe des Avers
Zwei Pyramiden, der Gipfelsteinmann auf dem Roche Noir und das spitze Horn im Hintergrund, der Pic du Grand Rochebrune, 3320 m. Dazwischen der Parc naturel régional du Queyras. Unmittelbar links hinter dem Steinmann die Pointe des Avers, 3089 m, weglos und leicht zu besteigen.
Nebengipfel des Roche Noir, Col Sud du Cristillan, Montagne du Cristillan, Tête de la Cula
Vom Roche Noir aus gesehen: Im Gratverlauf nach Nordosten der niedrigere Nebengipfel des Roche Noir, dahinter der Col Sud du Cristillan, von dem ein Steig über die Montagne du Cristillan (3032 m u. 3096 m) bis zum Tête de la Cula (der letzte schwarze Berg mit großem Schatten im Gratverlauf), 3121 m, führt.
SSO-Grat des Roche Noir
Teleaufnahme des Tête de la Cula (rechts), ganz im Hintergrund 4000er im Bereich der Dufourspitze. Die Sicht war an diesem Tag fantastisch!!!
Monte Viso, Lac de Longet, Bric de Rubren
Auch der Monte Viso stand völlig wolkenfrei. Häufig nebelt er im Sommer bereits früh am Tag ein. Im Tal davor ist der Lac de Longet erkennbar. Rechts im Bild dominiert der Bric de Rubren, 3340 m.
Tête de Malacoste, Tête de Gandin, Tête de l'Autaret, Denti di Maniglia / Punto Nodale del Maniglia, Pointe Haute de Mary, Aiguille du Chambeyron
Von l. n. r. Tête de Malacoste, 3216 m, Tête de Gandin, 3155 m, Tête de l'Autaret, 3021 m, Denti di Maniglia / Punto Nodale del Maniglia, 3166 m, Pointe Haute de Mary, 3206 m, ganz rechts am Bildrand die Aiguille du Chambeyron, 3412 m.
Péouvou
Der Péouvou-Hauptgipfel, 3232 m, und links davon dessen Südgipfel, 3121 m, gesehen vom Roche Noir.
P2937, Tête du Rissace (Le Longet), Crête du Rissace, Pics de la Font Sancte, Pic des Heuvières, Pic des Veyres, Pointe de la Saume, Vallée du Cristillan
Der „niedrige” Berg mit Grasflanke links und der Schrofenflanke rechts in Bildmitte ist der P2937. In dem Kamm dahinter sind der Tête du Rissace (Le Longet), 2965 m, und mit dem hellen Gesteinsfleck die Crête du Rissace, 2931 m, erkennbar. Im Horizont die Pics de la Font Sancte (als ein Berg erscheinend), bis 3385 m, rechts davon der Pic des Heuvières, 3271 m, die flachere Pyramide des Pic des Veyres, 3202 m, und weniger markant in dem Kamm der Hausberg von Ceillac, die Pointe de la Saume, 3043 m.
Vallée du Cristillan
Das Vallée du Cristillan scheint direkt bis zum Durance-Tal zu führen. Tatsächlich befindet sich auf dem Weg dorthin noch das Tal der Guil mit seiner Schlucht oberhalb von Guillestre.
Mont Pelvoux, Ailefroide, Crête des Chambrettes
Teleaufnahme hinweg über das Vallée du Cristillan zu den Bergriesen des Parc National des Écrins, wie Mont Pelvoux, 3943 m, und Ailefroide, bis 3954 m. Rechts vorn die Crête des Chambrettes.
Gipfelaufbau des Roche Noir von Süden
Der Gipfelaufbau des Roche Noir von Süden über der Hochfläche, der Anstieg verläuft über den Grat rechts im Bild. Der Eingeweihte erkennt recht gut, warum Pierre Maes die Aspiranten über den SSO-Grat schickt: objektiv die sicherste Route ab der Hochfläche mit der geringsten Steinschlaggefahr.
Schlernhexe, P2937, Pics de la Font Sancte
Wer hier angelangt ist, hat nach dem Abstieg vom Col des Ugousses den Schutt hinter sich. Schlernhexe, im Hintergrund die Pics de la Font Sancte und in der Mitte der Grat, der über gerade mal 100 Hm auf den P2937 führt.
Roche Noir
Rückblick über den Aufstiegsgrat des P2937 zum Roche Noir, der tiefste Punkt im Gratverlauf rechts des Roche Noir ist der Col des Ugousses.
Péouvou, 3232 m
Der Péouvou, 3232 m, vom P2937 aus gesehen. Von keinem anderen Platz aus ist er schöner. Kein Zweifel, unter dem Schutt befindet sich ein Gletscher(rest).
Aiguille du Chambeyron, 3412 m
Im Unterschied zum Roche Noir ist vom P2937 praktisch die gesamte Gruppe um die Aiguille du Chambeyron, 3412 m, zu sehen.
Tête du Rissace (Le Longet), Pics de la Font Sancte, Rocher de l'Eissassa
Ein anderer wanderbarer Berg im Vordergrund, der Tête du Rissace (Le Longet), 2965 m. Genau dahinter die Pics de la Font Sancte, rechts davon Pic des Heuvières und der Pic des Veyres, links die Rocher de l'Eissassa.
Lac de Clausis, Vallée du Cristillan
Tiefblick vom P2937 zum Lac de Clausis und in das Vallée du Cristillan.
Pic du Grand Rochebrune, Pointe des Marcelettes, merkwürdige Schutthänge
Teleblick zum Pic du Grand Rochebrune, 3320 m, davor die Pointe des Marcelettes, 2909 m, und rechts die merkwürdigen Schutthänge zwischen ihr und der Pointe des Avers.
Pointe des Avers, Tête de la Cula
Das oberste Vallée du Cristillan wird überragt von der Pointe des Avers, 3089 m, und dem Tête de la Cula, 3121 m. Gut zu erkennen der Wanderweg, der zu dem letztgenannten Berg führt.
Alpen-Edelweiß, Leontopodium nivale subsp. alpinum
Alpen-Edelweiß, Leontopodium nivale subsp. alpinum, populärste Art der Gattung mit etwa 48 Arten, wächst auf der Südflanke des P2937 zu kräftigen Pflanzen heran. Bereits 1811 wissenschaftlich von Heinrich von Handel-Mazzetti erstbeschrieben ist laut wikipedia das letzte Wort zur Systematik dieser Art wahrscheinlich noch nicht gesprochen.
Echte Arnika, Arnica montana Linné 1753
Echte Arnika (Arnica montana, Linné 1753) im Ravin de Clausis.
Péouvou
Rückblick zum Péouvou nach Verlassen des Ravin de Clausis.
Lac de Clausis, P2937
Lac de Clausis, dahinter Felsabbrüche eines Grates, der vom P2937 (hinten knapp rechts oberhalb der Bildmitte) herab zieht. Ganz rechts schaut noch der Péouvou ein wenig hervor.
P2937 und Péouvou
Rückblick vom Wanderweg zwischen Lac de Clausis und der Cabane de la Lavine bzw. l’Étable des Génisses, v.l.n.r. Felswand über dem Lac de Clausis, P2937 und der Péouvou.
Bachbett des Cristillan, Vorgipfel und Hauptgipfel des Roche Noir, P2937, Péouvou
Das trockene Bachbett des Cristillan bei der Brücke am Beginn des Fahrverbots, v.l.n.r. östlicher Vorgipfel, 3070 m, und Hauptgipfel des Roche Noir, 3134m, P2937 und der Péouvou, 3232 m.

(2015/2016)

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